Oberpfalz

Krankschreibungen 2024 gestiegen – DAK-Analyse für die mittlere und nördliche Oberpfalz

Der Krankenstand in der mittleren und nördlichen Oberpfalz ist 2024 erneut gestiegen – zumindest unter den Versicherten der DAK. Die Krankenkasse hat die Zahlen für die Region für das vergangene Jahr veröffentlicht: „Wir sind von durchschnittlich 19 Tagen mit Krankschreibung pro Versichertem auf 20 Tage gestiegen.“, erklärt Stefan Wittman, Leiter der DAK-Servicezentren Amberg und Weiden.

Der Krankenstand lag vergangenes Jahr bei 5,6%. Das bedeutet: Pro 1000 Arbeitnehmern waren durchschnittlich pro Tag 56 Menschen krankgeschrieben. Das waren 2024 0,4 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Über die Jahre ist dieser Wert konstant angestiegen: 2018 lag der Krankenstand bei 4,3%, 2014 sogar nur 3,9%.

Rücken, Erkältung und psychische Probleme

Der häufigste Grund für die Krankschreibungen im vergangenen Jahr waren bei der DAK Muskel-Skeletterkrankungen – also meistens Rückenbeschwerden. Auf Platz zwei waren Atemwegserkrankungen und auf Platz drei psychische Erkrankungen. Bei anderen Krankenkassen und in anderen Regionen war das ähnlich. Was im Krankenstandsbericht für die mittlere und nördliche Oberpfalz aber heraussticht: Der starke Anstieg der psychischen Erkrankungen. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen um 27% gestiegen.

Dass psychische Erkrankungen zunehmen, stellen nicht nur die Krankenkassen fest, sondern auch die psychiatrischen Einrichtungen der Medbo. „Wir beobachten das jetzt seit mehr als zehn Jahren“, erklärt Dr. Willy Müller, Oberarzt der medbo Tagklinik in Amberg gegenüber OTV. Seit der Pandemie seien die Patientenzahlen nochmal signifikant gestiegen. Am häufigsten seien Angststörungen und Depressionen, so der Oberarzt.

Kriege, Krisen und Zukunftsängste

Dass sich immer mehr Menschen wegen psychischer Probleme in Behandlung begeben, habe sicher auch damit zu tun, dass solche Erkrankungen mit der Zeit entstigmatisiert wurden. Aber Dr. Müller sieht auch weitere Gründe für den Anstieg: „Die moderne Welt mit der Digitalisierung, der Reizüberflutung, der ständigen Berieselung und der ständigen Erreichbarkeit hat sicher etwas damit zu tun. Das sorgt bei vielen für eine innere Verunsicherung, für Schlafstörungen – ein guter Nährboden für psychische Erkrankungen.“ Auch Stress und Leistungsdruck in der Arbeit und im Privaten könnten psychische Probleme begünstigen. Außerdem betont Dr. Müller: „Wir haben viele nationale und globale Krisen, die Zukunftssorgen und Existenzängste auslösen können.“

Lange Wartelisten in der Psychatrie

Das Problem: Die Kapazitäten vieler psychiatrischer Einrichtungen sind am Limit. Auch in den Häusern der Medbo müssten neue Patienten sechs Monate auf einen Termin warten, so Dr. Willy Müller. Wie also die Situation verbessern? Damit gar nicht erst so viele Menschen psychisch erkranken, empfiehlt der Oberarzt: „Wenn die Menschen weniger auf Selbstoptimierung und mehr auf Selbstfürsorge achten würden, wäre schon viel gewonnen.“ Außerdem seien auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Betriebliches Gesundheitsmanagement fordert auch die Krankenkasse DAK – damit der Trend der steigenden Krankschreibungen hoffentlich bald wieder zurückgeht.

(az)

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